Der Fall Oradour – Ein Kriegsverbrechen und die Folgen // ARD/SR

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Erneute Ausstrahlung am FR 23.9. 00:45, Hessischer Rundfunk

Filmautorin Ute Casper geht anläßlich des Jahrestages des SS-Massakers auf eine vielschichtige Spurensuche. Dabei trifft sie nicht nur die letzten beiden von insgesamt sechs Überlebenden des barbarischen Verbrechens, Robert Hébras und Marcel Darthout. Zu Wort kommt auch Stefan Willms, Leiter der Ermittlungsgruppe Nationalsozialistische Gewaltverbrechen. Für Ermittlungen sei es zwar „nicht zu spät, aber spät“.
 
Oradour2 SW
Oradour sur Glane - dort verübte die SS am 10. Juni 1944 ein furchtbares Massaker.
 Die Ruinen des niedergebrannten Dorfes erinnern bis heute daran.

 

Auszüge aus den Vernehmungen der Angeklagten im Prozess in Bordeaux 1953:

Angeklagter Graff: „Wir sahen drei Frauen hinter einer Hecke versteckt. Meine beiden Kameraden eröffneten das Feuer. Plötzlich richtete sich eine Frau empor und fing an, laut zu schreien. Da habe ich auch geschossen.“
Vorsitzender: „Haben sie getroffen?“
Graff: „Natürlich. Es war ja nicht schwer, so ganz aus der Nähe. Zwei Frauen habe ich getroffen.“
Vorsitzender: „Und dann?“
Graff: „Dann wurde ich zur Kirche geschickt. Ich musste Reisig hineintragen. Es war schon ein großer Haufen sonstiges Brennmaterial drin.“
Vorsitzender: „Weiter nichts?“
Graff: „Doch. Unter dem Reisig und Stroh hörte ich Stöhnen und Wimmern von Frauen. Ich sah auch einen Kameraden, der eine Frau und ein Kind mit dem Gewehrkolben erschlug.“
Vorsitzender: „Wie heißt er?“
Graff: „Ich glaube, es war Pankowski. Es waren zum Schluss fast alle Kameraden bei der Kirche. Das war Befehl. Überhaupt, die Offiziere sind an allem Schuld. Schon von vornherein, bei der Abfahrt nach Oradour, hat Leutnant Barth gesagt: ‚Heute muß Blut fließen!'“

Angeklagter Busch: „Ich war in der Hitlerjugend, dann in der Waffen SS… Ich gehörte am 10. Juni einem Erschießungskommando an. Ich erhielt Befehle.“

Vorsitzender: „Und dann schossen Sie?“
Busch: „Ja, Herr Präsident.“
Vorsitzender: „Wie eine Maschine, ein Mechanismus, den ein anderer bedient?“
Busch: „Jawohl, Herr Präsident.“
Vorsitzender: „Und dann?“
Busch: „Dann sind die Leute umgefallen.“
Vorsitzender: „Und dann?“
Busch: „Dann haben wir Brennmaterial auf die Leute geworfen.
Vorsitzender: „Lebten die Leute noch?“
Busch: „Das kann schon sein, Herr Präsident. Ich habe nicht so genau hingesehen.“
 
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