Der Missbrauch an der Odenwaldschule: Luzia Schmid und Regina Schilling stellen in ihrem Film die Frage nach Schuld, dem Wegsehen und nicht wahrhaben Wollen, dem Vertuschen. Im Film sprechen ehemalige Opfer des pädophilen Treibens an der Odenwaldschule ebenso wie die Pädagogen, die damals unterrichtet haben. “Wir sind zu Komplizen der Täter geworden”, so ein ehemaliges Mitglied des Kollegiums, der bereut nichts unternommen zu haben. Einem Schüler, der ihn nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle mit den Vorwürfen konfrontieren wollte, sagte Becker: “Ich habe eine gute Zeit gehabt.” Becker selbst verstarb 2010. Aufgrund von Verjährung konnte auch niemand sonst für die Taten belangt werden. (Blog)

Crew
Credits / DVD / Links
Der Film
Aktuell - Presse
  • Regina Schilling (Buch/Regie) Luzia Schmid (Buch/Regie) // Kamera: Johann FeindtJörg AdamsHajo Schomerus, Patrick Doberenz // Schnitt: Barbara Gies // Musik: Stefan Döring // Ton: Jule Cramer, Axel Schmidt, Tassilo Letzel, Philipp Enders, Stavros Charitidis // Produzent: Thomas Kufus // Redaktion: Martina Zöllner (SWR), Esther Schapira (HR)

  • **Grimmepreis 2012**     // DVD bei goodmovies // Eine Produktion von zero one film im Auftrag des SWR und des HR

  • Im Sommer 2010 beherrschten die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule die deutschen Medien und Feuilletons – elf Jahre, nachdem die „Frankfurter Rundschau“ erstmals in einem Artikel darüber berichtet hat. Niemand stellte sich damals der Frage, weshalb gerade an der Heppenheimer Vorzeigeschule Lehrer über Jahrzehnte hinweg Schüler missbrauchen konnten, weshalb so viele davon wussten und sich trotzdem nichts änderte. Mittlerweile weiß man von mindestens 132 Missbrauchsfällen seit 1969. Zum ersten Mal beantworten Hauptverantwortliche für die sogenannte „Vertuschung“ von 1998/99 vor der Kamera diese Fragen. Betroffene erzählen ihre Geschichte. Altschüler, die als Jugendliche Zeugen des Missbrauchs wurden, berichten, warum sie 30 Jahre lang schwiegen. Regina Schilling und Luzia Schmid drehten mit „Geschlossene Gesellschaft“ einen Film über menschliches Versagen und das kolossale Scheitern am eigenen Ideal.
    “Hier auf der Odenwaldschule ist alles erlaubt”, sagte Gerold Becker einmal bei einer Einschulungsveranstaltung. Im Rückblick bringt man mit der Aussage des ehemaligen Leiters der Lehranstalt weniger den radikal antiautoritären Erziehungsansatz in Verbindung als vielmehr die 130 offiziell bekannten Missbrauchsfälle, die nicht nur durch ihn selbst, sondern auch Lehrerkollegen und ältere Schüler begangen worden sind. Was für die Mehrheit der Schüler als “Insel außerhalb des Festlandes” begann, wurde für viele von ihnen zu einem nicht endenden Alptraum. Vor allem Becker wusste, wie er sich bei Jungen beliebt machen konnte: Lange Partys, endlose Trinkgelage, laute Musik – seine Verführungskunst blieb auch den Lehrerkollegen nicht verborgen. Doch nur wenige nahmen Anstoß. Eines der Opfer klagt noch heute an. Wenn nur gefragt worden wäre, hätten sie auch eine Antwort bekommen. Für viele zerbrach damals ein Stück Heimat und Identität.

  • „Gerold Becker: „Ihn hat niemand gestoppt“ so Biograph Jürgen Oelkers im März 2016 in der „ZEIT“, s.a. Artikel in der SZ: „Leiter der Odenwaldschule: Der Blender vom Zauberberg“:

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