Der Fall Oradour     Am 10. Juni 2014 jährte sich zum 70. Mal das größte Massaker, das im 2. Weltkrieg in Frankreich verübt wurde: Soldaten der SS- Panzer-Division „Das Reich“ ermordeten 642 Bewohner des Dörfchens Oradour-sur-Glane im Limousin. Kinder, Frauen, Greise wurden erschossen oder bei lebendigem Leib in der Kirche eingeschlossen verbrannt. Die meisten Leichen konnten nie identifiziert werden. Dafür hat die SS am folgenden Tag noch gesorgt. Die Gebäude des Dorfes wurden zerbombt und niedergebrannt bis auf die Grundmauern. Wenige Einwohner überlebten. Nach dem Krieg stand außer Frage, dass in diesen Ort des Grauens jemals wieder Alltagsleben einziehen könne. Und so ist dort die Zeit stehen geblieben. In der Nähe der Ruinen in der 120 Uniformierte diesen 642-fachen Mord gegingen wurde ein neues Dorf Oradour gebaut. 

Crew
Produktion
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Presse
  • Regie: Ute Casper // Kamera: Erik Sick & SRW-Team N.N. // Schnitt: Stefan Kolbe // Musik: Stefan Döring

  • Ute Casper Filmproduktion für ARD/SWR/ARTE/FR3

  • Oradour-sur-Glane.org // Geschichtsthemen.de // Das Massaker von Oradour (Wiki) // Blogeintrag

  •  FAZ 02.06.2014, LENA BOPP: Die Täter sind davongekommen – 642 Morde vom 10. Juni 1944 bleiben ungesühnt: Eine Dokumentation ruft den „Fall Oradour“ in Erinnerung und fragt, warum bislang nur ein einziger der Täter vor ein deutsches Gericht gestellt wurde.
    ()„…Oradour ist nicht nur eines der schlimmsten Massaker des Krieges verübt worden, auch die Aufarbeitung dieses Verbrechens ist längst nicht abgeschlossen. Der Film, den Ute Casper mit einem deutsch-französischen Team in beiden Ländern gedreht hat, widmet sich deswegen auch nur teilweise dem Massaker. Den größeren Raum nimmt die Frage ein, wieso bislang nur ein einziger der Täter vor ein deutsches Gericht gestellt wurde. In Bordeaux sind 1953 zwar vierundvierzig Deutsche in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Weil es Deutschland aber nicht erlaubt war, eigene Staatsangehörige auszuliefern, sind diese Männer straffrei davongekommen. Auf deutschem Boden wurde indes nur Heinz Barth, einst Zugführer in Oradour, 1983 in der DDR verurteilt. Seine Aussagen hat man während des Prozesses aufgezeichnet. Ausschnitte davon sind nun zu hören: Dass alle Einwohner „eben als Abschreckung“ zu vernichten seien, sagte Barth, „das wurde eben gedankenlos, ohne nachzudenken, durchgeführt“.
    Genau dies, dass es sich bei dem Massaker um willkürliche Abschreckung gehandelt hatte, war von ehemaligen SS-Mitgliedern bis in die siebziger Jahre hinein auch bei öffentlichen Veranstaltungen immer wieder bestritten worden. Von einem dieser gespenstischen Treffen aus dem Jahr 1971 sind nun ebenfalls einige Szenen zu sehen: So steht ein älterer, ergrauter Mann an einem Rednerpult und beharrt darauf, „dass der gute Name unserer Division ohne Makel ist“. Und ein anderer insistiert: „Oradour und Tulle waren – und das muss gesagt werden – Reaktionen auf vorausgegangene Aktionen der französischen Widerstandsbewegung.“ Für die wenigen Überlebenden aus Oradour sind derlei Ausführungen verständlicherweise unerträglich. Auch mag es nur ein schwacher Trost sein, dass die Dortmunder Staatsanwaltschaft nach wie vor daran arbeitet, die noch lebenden Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Es sei spät, gibt der zuständige Staatsanwalt Andreas Brendel zu, „aber nicht zu spät“. Solange nur einer der Verantwortlichen noch am Leben ist, das macht dieser Film noch einmal deutlich, wird und muss er seine Arbeit jedenfalls weiterführen. (FAZ)

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